Gütschwaldpflege 2017


Gütschwald – Pflege

mit dem Quartierverein “Wächter am Gütsch”

Am Samstag, den 16. September 2017 machten sich wieder mehr als ein Dutzend Menschen auf um bei der Pflege des Gütschwaldes Hand anzulegen. Diesmal waren auch zwei Kinder dabei, was uns besonders freute. Bereits zum zweiten mal halfen wir mit, junge Weisstännchen gegen den Rehverbiss zu schützen. Dabei konnten wir mit Genugtuung feststellen, dass unsere Aktion vom letzten Jahr erfolgreich war. Die damals geschützten Tännchen sind gewachsen und haben einen neuen Mitteltrieb gebildet, den es wiederum zu schützen galt. Zudem entdeckten wir viele neue Weisstännchen-Sprösslinge die des Schutzes bedurften.

Rehverbiss an der Weisstanne? Was ist das?

Wie ich in einem Artikel im Internet gelesen habe, ging man bis jetzt davon aus, dass die Rehe vor allem im Winter den Haupttrieb der jungen Weisstannen abfressen. Neuste Forschungen zeigten aber, dass sich dieser sogenannte Winterverbiss vor allem am Ende der kalten Jahreszeit ereignet. Es gibt einleuchtende Erklärungen für einen solchen Sachverhalt. Die Tannen werden möglicherweise für das Wild erst attraktiv, wenn wieder Leben in die Pflanze kommt, der Saftstrom zu fliessen beginnt und sich Geschmacksstoffe bilden, also in den Wochen vor dem Frühlings-Austrieb.

Was fressen Rehe?

Rehe sind Wiederkäuer, die auf leicht verdauliche, energie- und proteinreiche Nahrung angewiesen sind. Ein rund 20 Kilo schweres Reh benötigt täglich zwischen zwei und vier Kilogramm Grünes, das heisst Pflanzen, die vom Erdboden bis hin zu 120 Zentimeter hoch wachsen. Das sind u. a. Knospen und Gräser, Kräuter und Laubtriebe, Farne und Brombeeren, Keimlinge und junge Forstpflanzen wie eben gegen Ende der Wintermonate auch die oberste Knospe der jungen Weisstanne. Mit diesem Fressverhalten machen sich die Rehe bei Förstern nicht gerade beliebt. Denn aus verbissenen jungen Weisstannen werden eben keine schöne und starke Weisstannen mehr. Zwar können sie neue Triebe an anderer Stelle bilden, den Verbiss ihres Haupttriebes verkraften sie aber nur schwer.

Wie schützt man junge Weisstannen?

Um diesen Rehverbiss zu verhindern, so erklärte uns der Förster des Gütschwaldes, ist es sinnvoll, jedes Jahr im Herbst die jungen Weisstannen mit Verbiss-Schutzmaterial zu “umgarnen”. Dieses Verbiss-Schutzmaterial kann im Handel als Dichtungshanf gekauft werden. Von diesem Strang löst man einige Fäden heraus und legt einen feinen “Hut” auf die Knospe des Haupttriebes der Weisstanne. Das Material kitzelt die Rehe an der Nase, so dass diese die Knospe nicht mehr fressen.

Und genau das haben wir am 16. September 2017 wiederum getan.

Wir kamen uns vor wie Feen, welche sich der Natur zuwandten um sie in ihrem Überlebenskampf zu unterstützen. Stellenweise stiessen wir auf ganze Weisstannen-Nester, welche wie mit Feen-Haaren überdeckt schienen. Dabei ahnten wir, dass nie alle Bäume auf so engem Raum auswachsen werden. Denn Weisstannen wachsen so langsam, dass sie schnell von der Buche oder der Rottanne überholt und zurückgedrängt werden. Das Resultat aus der aufwendigen, aber schönen Arbeit werden also erst unsere Enkelkinder in Gänze bewundern können. Denn es braucht zirka 20 Jahre, bis die jungen Weisstannen eine Höhe von drei Metern erreichen. Dann sind sie gesichert und wir hoffen, dass sich unser Einsatz für einen gesunden und noch schöneren Gütschwald gelohnt hat.

Am Schluss feierten wir diese jährliche Aktion des “Quartiervereins Wächter am Gütsch” mit einer “Brätlete” bei der Gütschwaldhütte.

Olga Lina Piazza, Mitglied des Vorstandes des “Quartiervereins Wächter am Gütsch”

Foto Galerie:

Gütschwaldpflege 2017: Gütschwaldgallerie 2017